Kult- und Gebrauchsgegenstände
Einige Skulpturen der Dan Kultur

Die in den kommenden drei Monaten gezeigte Dan Ausstellung ist eine ziemlich umfassende Darstellung dieser Kultur aus Westafrika mit ca. 40 Ausstellungsstücken; darunter neben der hier abgebildeten, besonders qualitätvollen Tankagle(?) Maske, eine äußerst seltene Gelbguß-Metallmaske und ein brettförmiges, mit kleinem Kopf und prominenten weiblichen Brüsten ausgestattetes Kru („Grebo“) Panel - eines von nur drei bekannten Exemplaren.

Die Dan Population, die für ihre fröhliche und innigen Charme ausstrahlende Kultur bekannt ist, lebt vor allem in der westlichen Elfenbeinküste, außerdem in Nord-Ost-Liberia, im Süden von Guinea und Teilen von Sierra Leone; insgesamt ein großes Gebiet in das sie wohl bereits in der 2.Hälfte des 1.Jahrtausends u.Zt. als Mandevolk aus dem Norden eingewandert ist. Entsprechend zahlreich sind die Untergruppen: die Yakouba, Tura, Gio, Kpelle (Guerze), Kono, Mano und We (Ngere, Gobe). Mit ausgestellt sind auch Skulpturen der beiden Konyanke-Volksgruppen Diomande und Mau, da diese formale Ähnlichkeiten mit denen des Dan-Komplexes aufweisen; ebenso Objekte der Bassa.

Gesichtsmasken bilden den Hauptteil der materiellen Dan Kultur und stellen daher auch den Schwerpunkt dieser Ausstellung dar. Daneben werden vier der sehr seltenen Portraitfiguren gezeigt, große Rituallöffel, ein Beschneidungshocker, verschiedene Tanzstäbe, eine der seltenen Marionetten, Textilien, Holz- und Terracottaschalen, Körbe, kleine Gelbgussobjekte und Miniaturmasken - kleine Versionen der Gesichtsmasken, meist ca.8cm oder ca.12cm hoch.

Die Masken, die großen wie auch die kleinen, sind die Wohn-stätten der Hilfsgeister der Dan. Diese Geister bevölkern, neben dem Schöpfergott Sra, der jedoch zu den Menschen Distanz hält, die Übersinnliche Welt, in der es außerdem eine geistige „Substanz“ bzw. Kraft gibt, an der auch die Menschen mit ihrer Seele teilhaben. Diese Hilfsgeister, die den Dan im Traum erscheinen und Ihrer Vorstellung nach im Wald und auf den

Bergen leben, wollen – so die Meinung der Dan - den Menschen helfen und sie belehren. Von den Dan wiederum werden sie beschenkt, verehrt und um Rat angegangen. Außer in Masken können sich diese Geister auch in einem Baum, Stein, Antilopenhorn, einer Schneckenschale oder einem Medika-mentenbündel manifestieren.

In der Literatur werden 10 oder 11 verschiedene Maskentypen unterschieden. Davon sind mehr als die Hälfte Unterhaltungs-masken, die tanzen, singen, belustigen und positive Lebensqualität verbreiten, dabei aber durchaus auch ernste Funktionen zu erfüllen haben, wie z.B. die Initianten während ihrer Zeit im Buschlager mit Nahrung aus dem Dorf zu versorgen (so z.B. die „Deangle“ Maske). Als weitere, übliche Maskentypen mit je eigener Funktion haben sich herausgebildet: die Feuerkontrollmaske „Zakpäi“ und Läufermaske „Gunyegä“, die Kriegsmaske „Bugle“ und eine Frieden stiftende Maske „glewa“.

Die Zuordnung zu einem dieser Maskentypen ist heute, rückwir-kend - ohne zugehöriges überliefertes Wissen - allerdings problematisch, da es vorkam, dass sich, nach Dan Meinung, nacheinander unterschiedliche Hilfsgeister in ein und derselben Maske manifestiert haben - aus diesem Grund sind in der Ausstellung die Maskenbezeichnungen mit einem Fragezeichen versehen.

Männliche Masken – eher kantig (5-eckig), mit Röhrenaugen und Bart - unterscheiden sich jedoch relativ leicht von weiblichen – ovales Gesicht, sanfte Umrisse und schmale Augen.

Zum Teil weisen die manchmal ziemlich fragmentierten, jedoch herrliche Patina zeigenden Exponate der Ausstellung ein beachtliches Alter von bis zu 200-300 Jahren auf.

Alle diese ausgestellten Objekte, in nüchternen europäischen Galerieräumen präsentiert, fordern die Phantasie den zugehörigen rituellen Kontext zu imaginieren. Auch in Afrika leben diese traditionellen Kulte heute nur noch in der Erinnerung, etwa an – um nur ein Beispiel zu nennen - die vielfältigen, spektakulären performativen Qualitäten eines maskierten Dan Stelzentänzers („glegblen“), der bei einem der Höhepunkte seines Auftritts, nicht nur bravourös sondern geradezu elegant mit seinen bis zu zwei Meter langen, unter Stoffröhren verborgenen Stelzen durch eine enge Tonne mit entferntem Boden balanciert.

Der Charme und die immaterielle Kraft dieser geist-imprägnierten Kultur sind jedoch in ihren Gegenständen bewahrt, allerdings sind diese Qualitäten schwer zu beschreiben und sollten persönlich erfahren werden. H. Arno Henseler
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